"Die Kunst des Films PHANTASTISCHE TIERWESEN: GRINDELWALDS VERBRECHEN" – Buch des Monats Juni 2019

Liebe Leserinnen und Leser,

ich bin ja immer wieder fasziniert, was heute technisch alles möglich ist. Und damit meine ich nicht nur ausgefeilte künstliche Intelligenzen, Mikrochirugie oder selbstfahrende Autos – sondern auch, welche Auswirkungen der technische Fortschritt auf die Filmwelt hat!
Gerade im direkten Vergleich zu „Klassikern“ aus der Kindheit, fällt einem doch schnell auf, was sich da alles getan hat. Statt von Menschen in Kostümen gespielt, entstehen Monster und sonstige Fabelwesen zum Beispiel heutzutage ganz selbstverständlich am Computer. Auch bei der Wahl der Kulisse ist man nicht mehr auf einen perfekten Drehort angewiesen, sondern modelliert sich seine Welt mittels Greenscreen und Co zurecht. Ist das nicht spannend?

Den Weg bis zum täuschend echten Bild sieht man dabei allerdings nie.

Umso mehr hat es mich gefreut, dass mit „Die Kunst des Films PHANTASTISCHE TIERWESEN: GRINDELWALDS VERBRECHEN“ ein Buch erschienen ist, mit dem man einmal einen Blick hinter die Kulissen eines topaktuellen Kinofilms werfen kann.
Und dieser Blick lohnt sich! Denn abgesehen von den beeindruckenden Szenen-Illustrationen enthält der Bildband auch rohe Entwürfe und verworfene Ideen. Zusätzlich erfährt man viel darüber, wie es überhaupt funktioniert, eine Geschichte auf die Leinwand zu bringen – schließlich stellt sich jeder so eine Fantasiewelt ein bisschen anders vor.

Somit bietet dieses Buch wirklich einen Rundum-Einblick in J.K. Rowlings Welt, der für Fans keine Wünsche offenlässt. Selbst für mich als jemand, der zugegeben nicht so viel mit Harry Potter & Co anfangen kann, war das Buch absolut faszinierend zu lesen. Und obendrein habe ich wirklich Lust bekommen, mir den Film doch noch anzusehen…

Besonders interessant fand ich, mit wie viel Liebe zum Detail diese anhand von echten Tieren modelliert wurden – und wie aufwendig die Filmemacher dazu recherchieren! In jeder Magie wohnt also auch ein Funken Wahrheit inne… ;-)

Also definitiv eine lohnende Lektüre für alle Fans und solche, die es noch werden wollen – schaut gerne mal rein! ;-)

Es grüßt Euch ganz fantastisch,

Lisa Häßy

"Das Lied der Wächter: Das Erwachen" - Thomas Erle - Buch des Monats Mai 2019

Liebe Leserinnen und Leser,

nachdem ich mich Ende letzten Jahres mit Ursula Poznanskis „Thalamus“ zum ersten Mal an einem Thriller versucht habe, muss ich gestehen, dass ich auf den Geschmack gekommen bin. Also habe ich mich an ein weiteres Werk aus dem Genre der Spannungsliteratur gewagt – und bin auch dieses Mal nicht enttäuscht worden! Bei Thomas Erles „Das Lied der Wächter: Erwachen“ handelt es sich um den Auftakt zu einer packenden Endzeit-Trilogie.

Handlungsort der Geschichte ist der Schwarzwald, der nach einem nuklearen Unfall als Sperrgebiet gilt – zumindest heißt es das von offizieller Seite. So genau weiß eigentlich keiner, was an diesem verhängnisvollen Tag vor 16 Jahren passiert ist. Auch Felix nicht. Für ihn ist die Sache jedoch doppelt schwierig: Denn seine Eltern waren am Unglückstag auf einer Wandertour im Schwarzwald unterwegs und wurden nie wieder gesehen. Felix, der sich damals in Obhut seiner Tante befand und seitdem bei ihr lebt, erfährt erst an seinem 16. Geburtstag, dass sie gar nicht seine Mutter ist. Nach dem ersten Schock hält den Jungen nichts mehr zurück und er beschließt, auf eigene Faust nach seinen Eltern zu suchen.

Ausgestattet mit dem Nötigsten dringt er in die streng bewachte Sperrzone ein und macht sich auf die Suche. Schnell jedoch wird klar: Der Wald ist nicht ohne Grund abgeriegelt. Seltsame Kräfte sind hier am Werk, die sich nur schwerlich mit einem Atomunglück erklären lassen: Technische Geräte versagen den Dienst und der ganze Wald scheint von Energiefeldern durchzogen, aus denen es kein Entrinnen gibt. Auch wenn Felix nicht weiß, was es ist, aber irgendetwas Großes treibt sein Unwesen im Wald und verfolgt ihn. Spätestens als er auf andere Menschen trifft, die das Unglücksgebiet nie vergessen haben, nimmt die Geschichte richtig an Fahrt auf und man mag das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung, nicht nur für Menschen mit Schwarzwald-Bezug. Thomas Erle beschreibt so treffend, dass die drückende Endzeit-Stimmung wirklich greifbar ist und man Seite für Seite bei Felix‘ Erkundungen mitfiebert. Viel zu schnell hatte ich das Buch ausgelesen und sah mich mit einer guten sowie einer schlechten Nachricht konfrontiert:

Die gute Nachricht – die Geschichte geht in einem zweiten Band weiter (und auch einem dritten, wie ich nach kurzer Recherche rausfand).

Die schlechte Nachricht – da der letzte Band noch nicht erschienen ist (VÖ September 2019), dauert es wohl oder übel noch eine Weile, bis man erfährt, was wirklich mit Felix‘ Eltern passiert ist und was da im Wald vor sich geht…

Aber: Ich freue mich drauf! Der Auftakt der Reihe hat mir sehr gefallen und liest sich wirklich vielversprechend. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Es grüßt Euch ganz mysteriös (…und leider auch zwangsweise geduldig, seufz),

Lisa Häßy

 

"Hier sind wir" - Buch des Monats April 2019


Liebe Leserinnen und Leser,

für diesen Monat habe ich etwas ganz Besonderes für Euch: Und zwar fiel mir beim morgendlichen Aufräumen der Bibliothek „eine Anleitung zum Leben auf der Erde“ (laut Untertitel) in die Hände. Nanu, habe ich gedacht und innegehalten – denn haben wir uns gerade in Anbetracht des gesellschaftlichen und politischen Zeitgeistes nicht alle schon mal eine ebensolche Anleitung gewünscht? Einen Leitfaden, wie man es richtigmacht, dieses Leben?

Dass sich die Antwort darauf ausgerechnet in einem Bilderbuch befinden sollte, hat mich dann doch erstmal stutzig gemacht, um nicht zu sagen: skeptisch. Aber ich kann euch bestätigen: Es stimmt. Denn in „Hier sind wir: Eine Anleitung zum Leben auf der Erde“, das Autor Oliver Jeffers anlässlich der Geburt seines Sohnes geschrieben hat, verbirgt sich tatsächlich eine ganze Menge.

Was faktenreich damit beginnt, wie die Erde aussieht, wo wir uns im Weltall befinden usw., geht fließend in ein Plädoyer für ein friedliches, respektvolles Miteinander über und dafür, seine Zeit zu nutzen. Sowie die Botschaft: Egal, was kommt, du wirst nie allein sein auf der Welt.

Und das ist Trost und mahnender Hinweis zugleich, finde ich.

Man könnte das Buch einem Kind in vielleicht 20 Minuten vorlesen. Oder in einer halben Stunde, wenn man sich die Zeit nimmt und die wunderschönen Illustrationen genauer betrachtet.
Aber wenn man sich die wenigen Sätze, mit denen dieses Buch auskommt, mal genauer auf der Zunge zergehen lässt, wird schnell klar: Dieses Buch richtet sich nicht nur an Kinder. Denn die Grundhaltung der Welt gegenüber, die dabei transportiert wird, täte meiner Meinung nach auch so manchem Erwachsenen gut.

Daher lautet mein Fazit: Nehmt Euch die zwanzig Minuten und schaut mal rein. Verliert Euch in der Außenbetrachtung. Und lest es dann vielleicht nochmal von vorne. Dann wird einem nämlich erst wieder klar, wie winzig klein doch alles ist – und wie unbedeutend unsere Probleme im großen Ganzen eigentlich sind. Und das, finde ich, ist irgendwie sehr beruhigend.

Zum Schluss gibt es tatsächlich die versprochene Anleitung: „Es sind nur drei Worte, nach denen du leben musst, mein Sohn: Respekt, Rücksicht und Toleranz“, schreibt Oliver Jeffers auf der letzten Seite – und hat damit in einem Bilderbuch für Kleinkinder mehr von Bedeutung gesagt, als ich bisher in so manchem hochgelobten Roman gelesen habe.

Denn mehr braucht es tatsächlich nicht, wenn man genauer drüber nachdenkt.

Es grüßt Euch voller Respekt, Rücksichtnahme und Toleranz,

Lisa Häßy

 

"Nebenan funkeln die Sterne" - Buch des Monats März 2019


Liebe Leserinnen und Leser,

manchmal sind die Dinge anders, als sie auf den ersten Blick wirken. Das gilt für Lilly Adams‘ Roman „Nebenan funkeln die Sterne“ gleich in zweierlei Hinsicht: Denn Protagonistin Emma führt in Wirklichkeit ein völlig anders Leben als das, was sie auf Instagram abbildet. Die Fotos, die sie dort aus ihrem augenscheinlichen Alltag postet, sind nur aufwendig inszeniert. Ästhetisch, aber keinesfalls echt – was jedoch keiner weiß.

Genauso wenig wie keiner weiß, dass Emma im wahren Leben kaum vor die Tür gehen kann. Nach einem schrecklichen Unfall lebt sie zurückgezogen, denn zwischenmenschlicher Kontakt überfordert sie mehr, als sie es irgendjemandem gegenüber zugeben würde, nicht einmal gegenüber ihrer Familie.

Und erst recht nicht gegenüber Nathan. Denn ihr neuer Nachbar im Apartment gegenüber, mit dem sie sich zu ihrem Entsetzen jetzt die Dachterrasse teilen muss, ist so ziemlich das Gegenteil von Emma: Lebensfroh, offenherzig und gesellig. (Okay, und gutaussehend. Aber auch das würde Emma nie zugeben.)
Kein Wunder, das die beiden einen mehr als holprigen Start miteinander haben. Aber irgendwie fasziniert sie das jeweilige Extrem des anderen auch und mit jedem Stück, das Emma sich aus ihrem Schneckenhaus hervorwagt, kommen die beiden sich näher.

Allerdings ist da ja noch die Sache mit Instagram: Denn in den verzweifelten Versuchen, bloß nicht als Hochstaplerin aufzufliegen, hat Emma sich über die Jahre immer mehr in ihren Lügenkonstrukten verstrickt und aus anfänglichen Schönspinnereien ist eine ganz neue Identität geworden – inklusive erfundenem Verlobten…

Das ist der zweite Punkt, in dem „Nebenan funkeln die Sterne“ meine Erwartungen übertroffen hat: Die Liebesgeschichte steht gar nicht mal im Vordergrund. Vielmehr geht es um die Schattenseiten des schönen Scheins, der uns in sozialen Netzwerken andauernd begegnet, und um die Folgen von erst nur winzigen Notlügen, die sich bald zu etwas aufbauschen, das viel größer ist als wir selbst.

Mir persönlich hat die Umsetzung von Emmas Zwiespalts sehr gut gefallen! - und vor allem auch zum Nachdenken gebracht: Denn versuchen wir nicht alle hin und wieder, uns besser darzustellen als wir sind? Suchen wir nicht alle nach dem besten Winkel für ein Selfie? Und habe ich nicht auch diesen Artikel Satz für Satz überarbeitet, damit er sich möglichst gut liest?
(Beziehungsweise, ist das alles überhaupt verwerflich?)

Mit so einer Tiefe hatte ich zu Beginn des Buches ehrlich gesagt nicht gerechnet – genauso wenig wie mit der Botschaft, dass es nicht darum geht, perfekt und unversehrt durchs Leben zu gehen, weil das sowieso unmöglich ist. Sondern dass es viel mehr darauf ankommt, was wir daraus machen. Denn nicht nur Emma hat bei dem Unfall, über den sie nicht spricht, etwas erlebt, das sie verändert hat…

Daher gibt es von mir eine ganz klare Empfehlung für alle, die gerne im Drama-Genre lesen, aber (ACHTUNG, SPOILER J) auch etwas für Happy Ends übrig haben.

Es grüßt ganz begeistert

Lisa Häßy

 

"Fräulein Nettes kurzer Sommer" - Buch des Monats Februar 2019

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

vorne im Einband der Stammbaum derer von Haxthausen, alter Landadel aus dem Westfälischen, hinten im Einband eine Karte mit dem Bewegungsradius eben dieser Familie. Nicht mehr als 200 km im Umkreis des Stammsitzes Bökerhof bei Paderborn.
Ein gesellschaftlicher und geographischer Mikrokosmos zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Und mittendrin die Hauptperson: Fräulein Nette, heute besser bekannt als Annette von Droste-Hülshoff.
Dass sie einmal eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen sein wird, weiß sie zum Zeitpunkt der Handlung natürlich noch nicht.

 

Es ist die eine Geschichte über Liebe und Leidenschaft.
Sommer 1820, Fräulein Nette ist jung, gebildet, voller Tatendrang und blitzgescheit. Sie verliebt sich in einen Freund der Familie, leider nicht standesgemäß. Sie liebt das Singen, Schreiben und Diskutieren, das ist leider auch nicht standesgemäß. Denn wie soll eine junge Frau, zumal wenn adelig, in dieser Zeit sein? Sittsam, bescheiden und rein. Genau so. Mehr nicht. Und damit ist ausreichend Stoff für einen spannenden Roman vorhanden.

Der hervorragend recherchierte Roman ist allerdings weit mehr als ein Ausschnitt aus dem Leben der jungen Droste. Er ist vielmehr ein Sittengemälde par excellence der Zeit nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft, nach der Neuordnung Europas am Vorabend der gesellschaftlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts. 
Denken und forschen, leben und arbeiten im Spannungsfeld zwischen Restauration und Aufbruch. Geschildert am Beispiel der Adelsfamilie von Haxthausen und Droste-Hülshoff.
Die einen halten fest am Glauben, an Regeln und Konventionen, an Stand und Rang und Namen. Andere streben nach Erneuerung und Entdeckung, nach Wissen und Macht, nach Teilhabe in jeder Hinsicht. Das eine wie das andere ist Männersache.
Das muss gerade die hochbegabte, wissbegierige und bildungshungrige  Annette von Droste-Hülshoff schmerzhaft erfahren. Während Männer forschen, entdecken, schreiben (zum Beispiel Humboldt die Welt, Montgolfier die Luftfahrt, Franklin den Blitzableiter, Heine die Erneuerung der Literatur und die Gebrüder Grimm die Märchen) werden ambitionierte Frauen wie die Droste in ihrem Milieu dazu gezwungen, ihre Lebenszeit mit unfassbar stumpfsinnigen Arbeiten regelrecht zu verplempern.

Hochinteressant und spannend dabei das Drumherum. Da schöpft die Autorin aus dem Vollen. Sie beschreibt wie man aß und trank, wie man wohnte und lebte, wie man sich kleidete und reiste, wie man auf adeligen Landsitzen die Zeit totschlug und in Wirtshäusern zechte, wie man miteinander redete oder auch nicht, wie man intrigierte, die Fesseln von Glauben und Konvention aufrechterhielt oder versuchte, sie zu sprengen.

Und wer das liest ist mittendrin.  Satte 600 Seiten großes Kopfkino. Karen Duve hat einen historischen Roman geschrieben, und was für einen. Chapeau! Fesselnd, packend, erhellend, lesenswert!

Es grüßt Petra Goerge,
die nach dieser Lektüre nicht nur das Euskirchener Stadtmodell mit anderen Augen sieht.

P.S. Ein herzlicher Gruß und Dank an die ehemalige Kollegin Ursula Hensel, die mir diesen Roman so sehr ans Herz gelegt hat.

 

" Thalamus" - Buch des Monats Januar 2019

Liebe Leserinnen und Leser,

pünktlich zum Jahresbeginn melde ich mich mit einem neuen Buch des Monats zurück!
An dieser Stelle also erstmal ganz frisch ein „frohes Neues“ an Euch. :)

Da ich finde, dass man ein neues (Lese-)Jahr am besten mit einem richtig, richtig guten Buch einleiten sollte, war die Auswahl dieses Mal ganz schön kniffelig.
Aber ich glaube, ich habe genauso ein Highlight für euch gefunden:

Thalamus von Ursula Poznanski ist mir ursprünglich durch das sehr stimmungsvolle Cover aufgefallen.
Der Klappentext hat dann meine Neugier umso mehr geweckt.

Timo ist siebzehn Jahre alt, als er sich bei einem Unfall mit seinem Motorroller schwere Kopfverletzungen zuzieht - die Folge:
Der Verlust seiner Sprachfähigkeit und erheblich gestörte Feinmotorik.
Im Markwaldhof, einem speziellen Rehabilitationszentrum mit hervorragendem Ruf, nimmt man sich seiner Probleme an.

Doch schon bald stellt Timo fest, dass nachts merkwürdige Dinge in der Kurklinik vor sich gehen: Sein Bettnachbar, der im Wachkoma liegt und eigentlich als hoffnungsloser Fall gilt, läuft wie kerngesund herum und droht Timo umzubringen, nur um tagsüber wieder völlig regungslos dazuliegen.

Anfangs glaubt Timo noch an Halluzinationen, doch bald beginnt er, eine fremde Stimme in seinem Kopf zu hören, die immer wieder sagt: Hol Hilfe…

Wer meinen Vorstellungs-Blogartikel gelesen hat, erinnert sich vielleicht daran, dass Thriller und Co. eigentlich gar nicht mein Genre sind – zu spannend, zu nervenaufreibend.

Aber warum sollte man nicht mal über den eigenen Tellerrand schauen, dachte ich mir – und habe es absolut nicht bereut: Dieses Buch hat mich schon in den ersten Kapiteln so sehr in seinen Bann gezogen, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte und in eineinhalb Tagen durchgelesen habe.
Die Art, wie Ursula Poznanski Timos Zweifel an seiner eigenen Wahrnehmung und sowie seine Unfähigkeit sich mitzuteilen rüberbringt, ist unglaublich beklemmend und packend zugleich.

Der Kontrollverlust in Verbindung mit einem Hauch Mystik und Science-Fiction machen den Roman zu einem wahren Page-Turner.
Besonders interessant fand ich auch das Nachwort, in welchem die Autorin auf den wissenschaftlichen Hintergrund eingeht.

Von mir gibt es auf jeden Fall eine Empfehlung für alle, die gerne Spannendes lesen und sich für aktuelle Forschungsthemen interessieren.

Ich für meinen Teil werde jetzt wohl auch den anderen Büchern der Autorin eine Chance geben, denn ich muss zugeben, ich bin auf den Geschmack gekommen. :)

 

Es grüßt Euch ganz schön „gethrillt“

Lisa Häßy

 

"Niederländisch für Dummies" - Buch des Monats August 2018


Dag, liebe Leserinnen und Leser!

Zählt Ihr schon voller Vorfreude die Tage bis zum Urlaub?
Oder seid Ihr gerade schon op vakantie? Vielleicht sogar auf dem Weg in die Niederlande?
Denn dann ist unser neues boek van de maand genau das Richtige für Euch!

Ich habe mir demletzt den „Niederländisch für Dummies“-Sprachkurs von Margreet Kwakernaak genauer angeschaut – eigentlich nicht mit der Intention, daraus ein Buch des Monats zu machen, sondern aus eigenem (Urlaubs-) Interesse.
Ein Großteil der deutschen Urlauber reist nämlich in die Niederlande, die klischeemäßig für Windmühlen, Tulpen und eine große Käsevielfalt bekannt sind.

Seid Ihr vielleicht auch darunter? Dann kann ich Euch das Lehrwerk aus der „Für-Dummies“-Reihe nur wärmstens ans Herz legen!

Denn wie der Name schon sagt, werden die wichtigsten Aspekte der niederländischen Sprache dort einfach und verständlich erklärt. Es sind keinerlei Vorkenntnisse erforderlich, weder in der niederländischen Sprache selbst noch bei allgemeinen grammatikalischen Begrifflichkeiten – alles wird schrittweise im Verlauf des Buches erklärt. Dadurch bleibt das Lerntempo durchgehend moderat und angenehm.

Vor allen Dingen fand ich es toll, dass wichtige Regeln am Ende einer neuen Lerneinheit nochmal in wenigen Sätzen zusammengefasst und gesondert hervorgehoben werden. Genauso wie den Verzicht auf Ausspracheanleitungen in Lautschrift, die oft eine gewisse Hemmschwelle mit sich bringt.

Im vorliegenden Werk wird die Intonation stattdessen in normalen Buchstaben ausgedrückt. In dieser Hinsicht hat sich ebenfalls die beiliegende Audio-CD als hilfreich erwiesen, mit welcher man sich alle Dialoge des Buches anhören kann.

Außerdem vermittelt das Buch auf über 350 Seiten allerlei Wissenswertes zum Land selbst und der Kultur der Niederländer, sodass man wirklich Lust bekommt, das Gelernte direkt vor Ort auszuprobieren – zum Beispiel, um een kopje koffie in einem Café zu bestellen oder sich, ganz typisch Niederländisch, über das Wetter auszulassen.

Wer mehr als Goedemorgen! und Dank je wel! sagen möchte, ist hier also genau richtig.

Der einzige Nachteil an „Niederländisch für Dummies“ sind die fehlenden Praxisübungen.

Dennoch es handelt sich wirklich um ein umfassendes Werk, das bei mir definitiv die Begeisterung an einer neuen Sprache wecken konnte.
Und wer weiß –vielleicht verschlägt es mich nächsten Sommer auch als eine der zwei Drittel naar Nederland, um meine neu erlangten (und bis dahin hoffentlich tüchtig ausgebauten!) Sprachfähigkeiten anzuwenden ;-)

Allen, die vielleicht ähnliches vorhaben, kann ich das Buch nur empfehlen.

Es grüßt Euch Eure Möchtegern-Nederlandse („Groetjes!“)

Lisa Häßy

 

(Bildnachweis: Foto eines Exemplars aus dem Bibliotheksbestand)

"Leere Herzen" - Buch des Monats Juli 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

Wir schreiben das Jahr 2025. Bundeskanzlerin Merkel ist abgewählt. Deutschland wird seit geraumer Zeit von einer rechtspopulistischen Partei regiert, befindet sich in einem demokratischen Dämmerzustand und damit auf dem besten Weg in einen Überwachungsstaat. Die politische Opposition unsichtbar, die Bevölkerung leise. Politische Diskussionen, Konflikte jeglicher Art auszutragen gilt als Tabu. Die gutsituierten Menschen haben es sich gemütlich gemacht in ihren schönen, durchdesignten Stadtwohnungen oder den romantisch verklärten Rückzugsorten auf dem Land. Statt des Geistes wird der Körper trainiert. Dies im Übrigen gerne auch öffentlich, stellt doch der Staat gut sichtbare Trainingsplätze für jedermann zur Verfügung, zum Beispiel auf Straßenkreuzungen. Weniger gut situierte Leute schlagen sich so durch, machen sich unsichtbar.

So erscheint das Leben wie ein langer ruhiger Fluss. Ob Sojalatte oder wilde Gärten – es plätschert so dahin. Während die Kinder an den Playstations verrohen täuschen die Erwachsenen ein unbeschwertes Leben vor. Kann gerne so bleiben. Bei einer Umfrage zieht der größte Teil der Staatsbürger eine neue Waschmaschine dem Wahlrecht vor. Kein Witz. In diesem watteweichen, ja beliebigen Leben kommt die Protagonistin Britta mit einer Geschäftsidee daher, so unerwartet unverfroren wie verwegen, so kühn wie erfolgreich. Brittas kalte Geschäfte treiben die Geschichte voran, immer schneller, gefährlich und atemlos. Die gutbürgerliche Fassade bekommt Risse, Kälte und Skrupellosigkeit treten hervor.

Juli Zeh legt mit „Leere Herzen“ einen Politthriller vor, der seinesgleichen sucht. Einmal in die Geschichte eingestiegen, einmal die Unverfrorenheit der Geschäftsidee mit all ihren Konsequenzen verstanden, lässt einen die Geschichte nicht mehr los. Was ist da los? Wo führt das hin? Wie geht das aus? Man muss es wissen!

„Leere Herzen“ kann es in gesellschaftlicher Brisanz und intellektueller Scharfsinnigkeit mit Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ aufnehmen. Unbedingt. Liest sich nur viel leichter.

Klar, mutig, unverfälscht, humorvoll und in jeder Zeile: Spannend! Spannend! Spannend!

Es grüßt Petra Goerge,

die „Leere Herzen“ an einem Tag durchgelesen und danach beschlossen hat, zukünftig alles von Juli Zeh zu lesen. Echt.

(Bildnachweis: https://www.randomhouse.de/Buch/Leere-Herzen/Juli-Zeh/Luchterhand-literaturverlag/e503348.rhd)